Herr Q hat heute ein Date.
NICHT mit mir!
Herr Q hat heute ein Date mit seiner Vergangenheit.
Seine Vergangenheit heißt Irene und war mal vor mehreren Jahren mit Herrn Q verbandelt.
Herr Q hatte heute Mittag die Unverfrorenheit mich über sein Date mit seiner Vergangenheit namens Irene in Kenntnis zu setzen.
Herr Q hat das per POST-IT getan! „Treffe mich heute mit Irene. Könnte später werden, warte nicht auf mich. Kuss Q.“
Herr Q hat nicht gefragt, ob ich was dagegen hätte, Herr Q hat mich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Nachdem Herr Q also heute von der Iren’schen Vergangenheit eingeholt und auf einen Drink eingeladen wird, muss ich mir auch ganz dringend was für meine Q-lose Abendgestaltung überlegen.
Mein Gerechtigkeitssinn arbeitet… Ich bin ja ein Anhänger von Auge um Auge, Gleiches mit Gleichem usw. usf.
Was macht Frau Stern also in diesem Fall? Frau Stern macht wie immer einen fatalen Fehler.
In diesem Fall war der Fehler, der, dass ich auf der Suche nach meinem Iren’schen Gegenstück mein (leicht verstaubtes) „schwarzes Büchlein“ ausgegraben habe.
Ja, Frau Stern besitzt so was (es ist in Wirklichkeit aber nicht schwarz, sondern rosa mit verspieltem blauen Blümchenmuster).
Ja, Frau Stern hat sich für alle darin vermerkten „Exe“ und ehemalige LAPS auch ein „Sternderlsystem“ überlegt.
Frau Stern ist nämlich akribisch penibel wenn es um Dinge geht, die es einzusortieren gilt.
Nicht zuletzt sitze ich ja auch gerne Stunden über der Überlegung, wie ich meine Maggi-Fix Packerl sortieren soll… Nach Alphabet? Oder Ablaufdatum? Oder lieber nach Gusto? Oder kombinieren, also erst mal alphabetisch und dann nach Ablaufdatum… oje, ich sehe schon, das ergäbe eine schöne Story für hier…
Egal. Meine gesammelten Exe sind chronologisch geordnet. Das hilft sehr, wenn man bei einem Namen nicht mehr weiß, wann man mit dem jetzt genau…
Höchstwahrscheinlich würd’s auch helfen, wenn man (was ich mir mit Sicherheit nicht wünsche, Gott VERHÜTE!) in die Situation kommen würde, schwanger zu sein und nicht zu wissen von wem. Dass so was passiert, kann man ja schon fast täglich in einschlägigen Talkshowformaten auf den Privatsendern sehen, die Überlegung ist also nicht gänzlich fernab jeder Realität.
Zurück zu meinem Sternderlsystem: Es ist mathematisch höchst kompliziert und geht so:
(Experimentierfreudigkeit plus Erfahrung) mal (Ausdauer plus Klausgröße) geteilt durch den Orgasmusfaktor, das alles wiederum hoch Stimulationsfähigkeit (diese ergibt sich aus sowohl aus dem Grad physischer als auch intellektueller Stimulation) und daraus dann die Quadratwurzel ergibt (gerundet auf zwei Kommastellen) die Sexuelle Kompetenz im Ganzen
Klingt kompliziert,… ist es auch. Nach Jahren der Anwendung kann ich aber mit Fug und Recht behaupten eine sehr faire Formel für mein Bewertungssystem gefunden zu haben.
Gut, man könnten mokieren, dass da ja keine Gefühle in der Formel berücksichtigt werden… Ich bin mir dieser Schwachstelle durchaus bewusst, hab auch mal versucht den Grad der Verliebtheit dazuzuaddieren, musste aber feststellen, dass es um diesen auszurechnen wirklich höherer Mathematik bedarf… Ich würd ja fast von Sinus und Cosinus reden, wenn ich noch wüsste, was das genau war. Noch dazu wär’s ja keine stabile Konstante, weil man ist ja manchmal mehr und manchmal weniger in ein und denselben verliebt…
Zurück zu meinem Q-losen Abend: Ich hab an diesem Abend doch keinen meiner Ex getroffen. Da die Durchsicht meiner Akten eine etwas trockene Angelegenheit war und ich mir auch ein bisserl Mut antrinken musste, hab ich mir erst mal ein Flascherl Prosecco aufgemacht (Piccolo, weil eine ganze trink ich nicht mehr alleine, man lernt ja aus seinen Fehlern).
Nach dem dritten Glaserl hatte ich zwei Absagen wegen verbindlicher Beziehungen zu anderen Damen, drei Absagen weil zu kurzfristig, zwei Absagen, weil sich die Herren nicht mehr erinnern konnten (Danke vielmals!), viermal die Mailbox erwischt und einmal (super peinlich) nur den jetzigen schwulen (!) Freund meines ehemaligen Lovers erwischt, an der Stimme nicht erkannt, dass es nicht der J. war, den ich da am Hörer hatte und mich somit voll ins Fettnäpfchen gesetzt, als ich mein Anliegen äußerte.
Da ich nach dem vierten Glaserl schon die Sternderl doppelt und dreifach sah und nicht das Risiko eingehen wollte, einen Ein-Stern-Kandidaten (weil fälschlicherweise für einen Drei-Stern-Kandidaten ang’schaut) zu treffen und beschwippste Dates sowieso immer so sind wie Schwarzwälderkirschtorte (der viele Alkohol täuscht über die Schlagoberskalorien hinweg und am nächsten Tag bereut man nur) hab ich stattdessen sämtliche in meiner Hausbar befindlichen Fläschchen sortiert und zwar in der Reihenfolge der Buchstaben, wie sie in Herrn Q’s vier (Aristokratie verpflichtet) Vornamen und seinem Nachnamen vorkommen. Natürlich habe ich pflichtbewusst, wie ich nun mal bin, die 36 Flascherl auch gleich noch auf ihre Haltbarkeit hin verkostet, was sich zu meinem Bedauern negativ auf die Genauigkeit der Sortierung ausgewirkt hat. Allerdings war alles noch gut und konnte als verzehrtauglich befunden werden, mir war danach trotzdem schlecht…
Als Herr Q des nächtens nach Hause kam, fand er ein himmelblaues Sternderl auf einem reinweißen Flokati liegen, hat es ins Bett getragen und zugedeckt. Und am nächsten Tag hatte er sogar den Anstand mich erst mal mit Aspirin zu versorgen bevor er mich in juristischer Manier zu dem offen aufgeschlagenen geblümten Büchlein befragte, das neben mir am Flokati lag.
Da lag Erklärungsbedarf in der Luft… und wenn Sie nicht wissen, wie sowas riecht: es riecht gewaltig nach Ärger… aber dazu mehr nächste Woche.
HINWEIS IN EIGENER SACHE: Ab sofort voll toll und NEU! Jetzt können Sie auch die einzelnen Geschichten der Frau Stern liken oder gar, wenn Sie sich trauen, auf dem Social-Media-Medium Ihrer Wahl teilen! Wenn das kein Grund zum Freuen ist!
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