Die Formel für besseren Sex – oder warum ein rosa blau-geblümtes Büchlein mich dazu zwingt meine Hausbar zu sortieren

(c) Elsa Stern by Daniel Huber 2012

 

Herr Q hat heute ein Date.

NICHT mit mir!

Herr Q hat heute ein Date mit seiner Vergangenheit.

Seine Vergangenheit heißt Irene und war mal vor mehreren Jahren mit Herrn Q verbandelt.

Herr Q hatte heute Mittag die Unverfrorenheit mich über sein Date mit seiner Vergangenheit namens Irene in Kenntnis zu setzen.

Herr Q hat das per POST-IT getan! „Treffe mich heute mit Irene. Könnte später werden, warte nicht auf mich. Kuss Q.“

Herr Q hat nicht gefragt, ob ich was dagegen hätte, Herr Q hat mich vor vollendete Tatsachen gestellt.

Nachdem Herr Q also heute von der Iren’schen Vergangenheit eingeholt und auf einen Drink eingeladen wird, muss ich mir auch ganz dringend was für meine Q-lose Abendgestaltung überlegen.

Mein Gerechtigkeitssinn arbeitet… Ich bin ja ein Anhänger von Auge um Auge, Gleiches mit Gleichem usw. usf.

Was macht Frau Stern also in diesem Fall? Frau Stern macht wie immer einen fatalen Fehler.

 

In diesem Fall war der Fehler, der, dass ich auf der Suche nach meinem Iren’schen Gegenstück mein (leicht verstaubtes) „schwarzes Büchlein“ ausgegraben habe.

Ja, Frau Stern besitzt so was (es ist in Wirklichkeit aber nicht schwarz, sondern rosa mit verspieltem blauen Blümchenmuster).

Ja, Frau Stern hat sich für alle darin vermerkten „Exe“ und ehemalige LAPS auch ein „Sternderlsystem“ überlegt.

Frau Stern ist nämlich akribisch penibel wenn es um Dinge geht, die es einzusortieren gilt.

Nicht zuletzt sitze ich ja auch gerne Stunden über der Überlegung, wie ich meine Maggi-Fix Packerl sortieren soll… Nach Alphabet? Oder Ablaufdatum? Oder lieber nach Gusto? Oder kombinieren, also erst mal alphabetisch und dann nach Ablaufdatum… oje, ich sehe schon,  das ergäbe eine schöne Story für hier…

Egal. Meine gesammelten Exe sind chronologisch geordnet. Das hilft sehr, wenn man bei einem Namen nicht mehr weiß, wann man mit dem jetzt genau…

Höchstwahrscheinlich würd’s auch helfen, wenn man (was ich mir mit Sicherheit nicht wünsche, Gott VERHÜTE!) in die Situation kommen würde, schwanger zu sein und nicht zu wissen von wem. Dass so was passiert, kann man ja schon fast täglich in einschlägigen Talkshowformaten auf den Privatsendern sehen, die Überlegung ist also nicht gänzlich fernab jeder Realität.

Zurück zu meinem Sternderlsystem: Es ist mathematisch höchst kompliziert und geht so:

Bildquelle: Die Formel für besseren Sex (c) Elsa Stern 2001

 

(Experimentierfreudigkeit plus Erfahrung) mal  (Ausdauer plus Klausgröße) geteilt durch den Orgasmusfaktor, das alles wiederum hoch Stimulationsfähigkeit (diese ergibt sich aus sowohl aus dem Grad physischer als auch intellektueller Stimulation) und daraus dann die Quadratwurzel ergibt (gerundet auf zwei Kommastellen) die Sexuelle Kompetenz im Ganzen

Klingt kompliziert,… ist es auch. Nach Jahren der Anwendung kann ich aber mit Fug und Recht behaupten eine sehr faire Formel für mein Bewertungssystem gefunden zu haben.

Gut, man könnten mokieren, dass da ja keine Gefühle in der Formel berücksichtigt werden… Ich bin mir dieser Schwachstelle durchaus bewusst, hab auch mal versucht den Grad der Verliebtheit dazuzuaddieren, musste aber feststellen, dass es um diesen auszurechnen wirklich höherer Mathematik bedarf… Ich würd ja fast von Sinus und Cosinus reden, wenn ich noch wüsste, was das genau war. Noch dazu wär’s ja keine stabile Konstante, weil man ist ja manchmal mehr und manchmal weniger in ein und denselben verliebt…

Zurück zu meinem Q-losen Abend: Ich hab an diesem Abend doch keinen meiner Ex getroffen. Da die Durchsicht meiner Akten eine etwas trockene Angelegenheit war und ich mir auch ein bisserl Mut antrinken musste, hab ich mir erst mal ein Flascherl Prosecco aufgemacht (Piccolo, weil eine ganze trink ich nicht mehr alleine, man lernt ja aus seinen Fehlern).

Nach dem dritten Glaserl hatte ich zwei Absagen wegen verbindlicher Beziehungen zu anderen Damen, drei Absagen weil zu kurzfristig, zwei Absagen, weil sich die Herren nicht mehr erinnern konnten (Danke vielmals!), viermal die Mailbox erwischt und einmal (super peinlich) nur den jetzigen schwulen (!) Freund meines ehemaligen Lovers erwischt, an der Stimme nicht erkannt, dass es nicht der J. war, den ich da am Hörer hatte und mich somit voll ins Fettnäpfchen gesetzt, als ich mein Anliegen äußerte.

Da ich nach dem vierten Glaserl schon die Sternderl doppelt und dreifach sah und nicht das Risiko eingehen wollte, einen Ein-Stern-Kandidaten (weil fälschlicherweise für einen Drei-Stern-Kandidaten ang’schaut) zu treffen und beschwippste Dates sowieso immer so sind wie Schwarzwälderkirschtorte (der viele Alkohol täuscht über die Schlagoberskalorien hinweg und am nächsten Tag bereut man nur) hab ich stattdessen sämtliche in meiner Hausbar befindlichen Fläschchen sortiert und zwar in der Reihenfolge der Buchstaben, wie sie in Herrn Q’s vier (Aristokratie verpflichtet) Vornamen und seinem Nachnamen vorkommen. Natürlich habe ich pflichtbewusst, wie ich nun mal bin, die 36 Flascherl auch gleich noch auf ihre Haltbarkeit hin verkostet, was sich zu meinem Bedauern negativ auf die Genauigkeit der Sortierung ausgewirkt hat. Allerdings war alles noch gut und konnte als verzehrtauglich befunden werden, mir war danach trotzdem schlecht…

Als Herr Q des nächtens nach Hause kam, fand er ein himmelblaues Sternderl auf einem reinweißen Flokati liegen, hat es ins Bett getragen und zugedeckt. Und am nächsten Tag hatte er sogar den Anstand mich erst mal mit Aspirin zu versorgen bevor er mich in juristischer Manier zu dem offen aufgeschlagenen geblümten Büchlein befragte, das neben mir am Flokati lag.

Da lag Erklärungsbedarf in der Luft… und wenn Sie nicht wissen, wie sowas riecht: es riecht gewaltig nach Ärger… aber dazu mehr nächste Woche.

HINWEIS IN EIGENER SACHE: Ab sofort voll toll und NEU! Jetzt können Sie auch die einzelnen Geschichten der Frau Stern liken oder gar, wenn Sie sich trauen, auf dem Social-Media-Medium Ihrer Wahl teilen! Wenn das kein Grund zum Freuen ist!

Und: Schon nicht mehr ganz so neu aber immer noch aktuell: Frau Sterns Facebook-Seite (siehe Like-mich-Kästchen rechter Hand) – damit Sie auch im Sitzen auf dem Laufenden bleiben :-)

 

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Dabei hatten wir das alles so schön geprobt – oder warum Bigamie das neue Apricot ist

Bildquelle: Cherrybam.com

 

„Palim, palim!“

„Mei Elsa-Antoinette, schön dass ihr da seids! Und Sie sind der Herr?“

„Sagen Sie einfach Q zu mir, Fräulein Stern, küss die Hand. Die Elsa hat mir gar nicht erzählt, dass sie eine ältere Schwester hat.“

„Jüngere Schwester! Jünger ned älter…“ zische ich und klopfe enerviert auf Herrn Qs Finger, die sich an meinem BH-Verschluss zu schaffen machen.

„Ist das nicht alles ein bisserl viel Tamtam, Elsa?“ nuschelt der mir ins Ohr und es verlangt mir ziemlich viel Beherrschung ab, darauf zu bestehen, das Horrorszenario „Q begegnet meinen Eltern“ noch mal von vorne durchzuproben anstatt der Versuchung zu erliegen, mich von Herrn Q standesgemäß verführen zu lassen.

„Es ist mir halt wichtig, dass meine Eltern den richtigen Eindruck von dir haben. Meine Mutter kann sehr… anstrengend sein.“

„Elsa, deine Mutter ist deine Mutter, sie wird also sicher nicht anstrengender sein als du und mit dir komm ich doch auch trotzdem gut aus“ – und mit solchen frechen Sprüchen auf den Lippen, zwickt mich der Q in den Hintern – ist es zu fassen?

Es hat mich sämtliche Überredungskunst (und nebenbei auch eine kleine sexuelle Erpressung a la „So lang du deinen Text nicht kannst, gibt’s halt keinen Beischlaf“) gekostet, aber nach dem 17. Mal war die Szene perfekt geprobt Und obwohl am Herrn Q  sicher kein Schauspieler verloren gegangen ist, war er schließlich doch letzten Sonntag, als wir zum vormuttertäglichem Mittagessen geladen waren, halbwegs überzeugend und textsicher. Zumindest auf der Autofahrt zu meinen Eltern hatte er den Text und eine passende Mimik dazu im Griff.

Allerdings konnte niemand, nicht mal ich, damit rechnen, welchen Zirkus meine Frau Mama aufführen würde. Hätte ich das geahnt, hätte ich ihr gegenüber nämlich nicht „beiläufig“ fallen lassen, dass Der Herr Q ein Geborener „von und zu“ ist. Ein bisserl Genugtuung hätte mir vergönnt sein sollen angesichts der Tatsache, dass meine Mama bis jetzt immer geglaubt hat, die beste Partie, die ich anschleppen würde, wären Bohemiens – verkappte Schriftsteller, abstrahierende Künstler oder bekiffte Musiker. Egal. Wie gesagt: Es konnte keiner damit rechnen, dass meine Mutter, auf unser „palim, palim“ die Tür in einem pfirsichfarbenen Zweiteiler (Bleistiftrock, Blazer mit Rüschen und Denver Clan verdächtigen Schulterpolstern) mit einem farblich abgestimmten Hut öffnen würde. Ich hätte sie in diesem Ascot-Aufzug gar nicht erkannt, hätte sie das Outfit nicht schon 1994 zur Hochzeit meiner Cousine angehabt. Schon damals haben ihr meine Cousins hinterhergewiehert, weil sie in dem Aufzug eine nicht zu geringe Ähnlichkeit mit Camilla Parker-Bowles hatte. Hinter ihr steht mein Papa, dessen Miene verrät, dass er von mütterlicher Macht in den Smoking mit Kummerbund und Fliege gezwungen wurde. Wären die zwei in ihren, ich möchte fast sagen Verkleidungen nicht in unserem Hauseingang gestanden, man hätte sie für zwei frisch aus der Gala oder Bunten entsprungenen Worst-dressed-Society-Relikte gehalten.

Sie fragen sich, warum ich auf die Garderobe meiner Eltern jetzt so genau eingehe? Ich möchte nur, dass Ihnen der Kontrast bewusst wird. Denn im Gegensatz zu meinen Eltern waren der Herr Q und ich (er leger in Marken-Polo und Jeans, ich in No-Name Bluse und ebenfalls Jeans) gelinde gesagt underdressed.

Meine Mutter lässt sich durch unseren Aufzug aber nur ganz kurz irritieren und haucht ganz untertänigst: „Durchlaucht, es ist uns eine Ehre!“ Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, knickst sie?! Oder hat mich das getäuscht? Bevor sie sich zu mir wendet, mir einen Kuss auf die Stirn andeutet und sagt: „Grüß dich, mein Kind. Schön, dass ihr da seid.“ Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Herr Q sichtlich Mühe hat sein Gesicht zu wahren und nicht einen Lachkrampf zu kriegen. Nachdem das Begrüßungszeremoniell abgeschlossen ist, Herr Q also meiner Mutter seine mitgebrachten Blumen offeriert und meinem Vater, der mich entschuldigend anschaut, die Flasche Wein überreicht hat, nicht ohne den beiden die Förmlichkeiten zu erlassen und sie zu bitten, ihn doch einfach mit Vornamen anzureden, kriegt sich meine Mutter gar nicht mehr ein vor lauter „zuviel der Güte“ und führt die etwas eigentümliche Prozession an zum Mittagstisch. Auch hier hat sich meine Mutter selbst übertroffen. Das Blumenbouquet, das farblich auf ihr Kostüm abgestimmt zu sein scheint, überragt die festlich gedeckte Tafel. Familiensilber nebst Damastservietten, die gesamte Palette an böhmischen Bleikristallgläsern, die der Haushalt hergibt und Serviettenringe, die ebenfalls aber nur ganz dezent, das aprikotfarbene Thema aufgreifen, komplettieren das Bild.

Bevor der erste Gang (Ochsenschwanzsuppe! – meine Mutter ist nicht zu fassen!) aufgetragen wird, biete ich der Mama an, ihr in der Küche zur Hand zu gehen, einfach nur, weil ich nicht in Anwesenheit vom Herrn Q fragen will, ob sie jetzt total übergeschnappt ist und es ihr eigentlich bewusst ist, dass in Österreich der Adel 1919 abgeschafft wurde. Aber meine Mama lässt mich aber gar nicht zu Wort kommen, fällt mir, kaum ist die Küchentür hinter uns zu, um den Hals und schluchzt unter Tränen der Rührung: „Elsa, ich bin ja so stolz auf dich! Das ist ein Mann! Lass den nimmer aus!“ – Ojemine! Meine Mutter ist zum aller ersten Mal, seit ich sie kenne, begeistert von meinem Freund.

… und sie wäre es vermutlich auch geblieben, denn die Konversation bis zum Dessert (ich lass die langweiligen Details, die zum Hauptgang erörtert wurden und eigentlich eh nur Herrn Qs und meine hoffentlich baldige Hochzeit zum Thema hatten aus) verlief reibungslos. Herr Q war charmant wie immer, umschiffte galant konkrete Nachfragen meiner Mutter nach Hochzeitsplänen und darauf folgenden Zeugungsabsichten von Enkelkindern und machte genau den Eindruck auf meine Eltern, den ich mir erhofft hatte. Ich war richtig stolz auf mich. Ich glaube, es war so ziemlich das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte, meine Eltern nehmen mich für voll… gut, dass diese Mündigkeit mit Herrn Q zusammenhing, hätte mir zu denken geben sollen, aber ich hab ganz ehrlich genossen, dass meine Mutter meine „Leistung“ mir so einen Fisch geangelt zu haben so sehr goutierte. Sogar mein Papa war begeistert, weil Herr Q ihn zwischen Vor- und Hauptspeise, verschwörerisch gefragt hatte, ob er mit ihm vielleicht kurz in den Garten gehen wollte, um eine kleine Zigarillo zu rauchen. Mein Papa (passionierter wenn auch von Mutter zwangs-pensionierter Zigarrenraucher) war da ja gleich dabei. Alles also wirklich happy-peppy, Friede, Freude und so weiter… bis meine Mutter die Schwarzwälderkirschtorte anschnitt, Kaffee einschenkte und Herrn Q’s Handy bimmelte.

Mit einem Blick auf’s Display, sprach Herr Q nun denn den Satz, dem in Folge ein Teller des Hutschenreuther Sonntagsporzellans sowie ein Stück Torte zum Opfer (genauergesagt auf den Boden) fallen sollte. Er sagte, und ich bin ihm heut noch bös dafür: „Wenn Sie mich ganz kurz entschuldigen, da muss ich drangehen, das ist meine Frau.“

Der Papa und ich haben ca. 5 Minuten gebraucht, um die Mama aus ihrer Ohnmacht wiederzuerwecken. In Ermangelung eines sich erklärenden Herrn Q, der draußen auf dem Gang mit Nathalie telefonierte, musste ich also erklären, was es mit „meine Frau“ auf sich hatte. Und das war nicht einfach. Allein schon deswegen, weil ich mir selber nicht erklären konnte, warum Herr Q von Nathalie als „seiner Frau“ sprach, wenn sie doch noch gar nicht verheiratet gewesen waren… oder hatte ich da was verpasst? Das war ja sicher nur ein dummer Versprecher gewesen… oder? Wahrscheinlich wollte er eigentlich sagen: „Das ist eine Frau“… wobei das auch nicht wirklich Sinn macht. Während sich Herr Q seines Faux-pas augenscheinlich überhaupt nicht bewusst ist, habe ich also alle Mühe der Mama zu erklären, dass es sich bei „seiner Frau“ um die Ex vom Q handelt, ja zugegeben verlobt, aber nicht verheiratet. Trotzdem ist die Stimmung nach Rückkehr des Q an den Kaffeetisch etwas unterkühlt, um nicht zu sagen gefühlt sibirisch. Aber der Q hat die Ruhe weg, mampft Schwarzwälderkirschtorte und komplementiert meine Mutter für ihre vorzügliche Küche.

Den gesamten Heimweg über, überlege ich, ob es ratsam ist, Herrn Q auf „seine Frau“ anzusprechen. Die Frage „Was wollte sie denn“ lag mir sowas von auf der Zunge, aber ich hab sie mir verkniffen. Es war einer der Momente, in denen ich die Wahrheit gar nicht wissen wollte… weil ich schon ahnte, dass sie mir nicht gefallen würde.

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Gulasch auf Wolke 7 – oder warum ein Flokati-Maki als Platzhalter für zwei Maxi-Cosi herhalten muss.

 

Bildquelle: Cherrybam . com

 

Hab ich’s eigentlich schon erzählt? Herr Q ist bei mir eingezogen. Vorübergehend mal. Also so lange bis seine Noch-Verlobten Nathalie entweder die gemeinschaftliche Wohnung freiwillig von den Laura-Ashley-Landhaus-Requisiten ihrer Beziehung räumt oder Herr Q zeitnah etwas Adäquates findet. Bis dahin hat er es mal als adäquat empfunden, sich bei mir häuslich zu installieren.

Ganz ehrlich: Hätte ich geahnt, dass sich im Volant des Audi TT Roadster neben ausgewählten Stücken seiner Garderobe und seinem Kulturbeutel auch ein aufgerollter weißer Flokati Vorleger befindet, hätt ich mir erst mal ernsthafte Sorgen gemacht, ob das vielleicht ein sog. Flokati-Maki mit Füllung ermeuchelter Nathalie ist. Und des Weiteren hätt ich ganz ehrlich nie geahnt, dass das Sportcoupe vom Herrn Q doch so geräumig ist – und wäre dementsprechend ja auch noch voller Hoffnung, dass man statt der Flokatirolle, da vielleicht doch irgendwann mal auch einen oder sogar zwei Maxi-Cosi zwischenparken kann. Aber von Familienplanung sind wir eher noch weiter entfernt. Herr Q erwägt im Moment in erster Linie mal nur die Anschaffung eines „gscheiden“ Espressoautomaten. Er hat seine geliebte DeLonghi nämlich bei der mittlerweile ungeliebten Nathalie zurück gelassen und ist etwas unzufrieden mit dem Schlurf, den meine Tassimo bereitet. Von dem mal abgesehen läuft es eigentlich ganz gut. Also zwischen Herrn Q und mir läuft es super… er ist lieb, charmant, hilft im Haushalt (wir reden hier von Arbeitsteilung a la: „Sternderl, ich koche und du wäschst ab“ – de facto schaut das dann so aus, dass er den Pizza-Lieferservice anruft und ich die Schachteln wegschmeiß) und der Sex ist grandios. Was das Ganze etwas relativiert ist die Auffassung, die meine Freundinnen diesbezüglich vertreten.

Zusammengefasst: Die E. hat die freudige Botschaft meiner Re-union mit dem Q so sehr nicht gefreut, dass sie ganz wider ihrer Natur einfach mit den Worten: „Diesmal kehr ich die Scherben ned zsamm“ aufgelegt hat.

Busenfreundin M. meinte lakonisch: „Du wirst schon wissen, was du tust, aber sag nicht, ich hätt dich nicht gewarnt.“

Onkel Super-Ego war der Einzige, der dem Ganzen was Positives abgewinnen konnte: „Najo, Sternderl, dann bist jetzt wenigstens ned ständig notgeil… wir wissen ja, was Hormone mit dir immer anstellen. Oder auch anders: Solang du nur mit dem Q Blödsinn machst, machst wenigstens keinen anderen.“ Na, besten Dank!

Mir ist eigentlich nur schleierhaft, warum niemand mit der alten: „Aufgewärmt is nur ein Gulasch gut“-Nummer angekommen ist. Wahrscheinlich weiß einfach schon jeder, dass ich wenn es um Herrn Q geht, so schnell kann man gar nicht schauen, zu einem Gulasch mutier. Sicher, die letzten zwei, drei Mal, als mich Herr Q abserviert hat, das war alles andere als schön, aber… aber jetzt ist das natürlich anders. Glaub ich zumindest. Kein Mann im Allgemeinen und kein Q im Besonderen lässt seine Verlobte mitten in der Nacht auf dem gemeinsamen Laura-Ashley-Sofa sitzen, packt seine sieben Zwetschken und überwindet dann eine Efeuberankte Regenrinne im Maßanzug, wenn ihm nicht irgendwas an mir liegen würde. Ich finde es halbwegs schwer da wirklich objektiv dagegen zu argumentieren. Noch schwerer wird’s wenn man bedenkt, dass das Happy-End wie ja letztens schon en detail geschildert a bissl, man möchte fast sagen, kuriose Wendungen genommen hat.

Seit Herrn Qs couragierten Ausbrechen aus seiner Verlobung, so ca. drei Wochen vor der geplanten Hochzeit bin ich jetzt also „die andere“. Das ist mal was, ähm,  anderes und fühlt sich so ad hoc gesprochen eigenartiger Weise aber nicht sehr viel besser an, als wenn man nur „die“ ist (also „die, die verlassen wird“). Ich muss mich ganz ehrlich erst in meine Rolle einfinden. Herr Q ist hier keine wirklich große Hilfe – er denkt da in anderen Kategorien und zwar (Achtung, akuter Schnulzalarm) bin ich für ihn nur „Die eine“. Was diesen Sinneswandel bewirkt hat, ist mir bis heute schleierhaft. Ich hab versucht Herrn Q mal darauf anzusprechen und zwar als er sediert von einer halben Flasche postkoitalem Rotwein auf meiner Couch kurz davor war weg zu schlummern. Ich glaub die Tatsache, dass ich ihn unsanft immer wieder die Frage wiederholend in die Rippen zwickte, hat dazu geführt, dass er letztendlich mit der Sprache herausrückte: „Verdammt, weil du, Frau Stern, einen Namen trägst, der in den Himmel geschrieben steht, und ich jedes Mal an dich denken musste, wenn ich hinauf geschaut habe.“ – Ja, Sie haben recht, das erklärt mal genau nix, aber wie sagte meine Großtante Elsa schon immer: „Wer einem geschenkten Gaul ins Maul schaut, ist selber schuld.“ Da ich mich ganz ehrlich nicht mehr erinnern kann, ob der Tag der Wahrheit, der mit einem Polizeiüberfallskommando in meinem Schlafzimmer endete, des nächtens sternenklar war, muss ich das halt mal so glauben. Obwohl es mich ehrlich interessiert hätte, Nathalies Standpunkt zu erfahren. Ganz so unrecht hat die liebe M. ja nicht, wenn sie sagt: „So viel du weißt, könnte ihn seine Wasserstoffschnepfe einfach vor die Tür gesetzt haben, und er wusste halt nicht wo sonst hin.“ Das wäre jetzt sicher eine plausible Erklärung (von dem abgesehen, dass Herr Q durchaus finanziell in der Lage wäre, sich ein Hotelzimmer im Sacher zu buchen) … plausibler als der „der Himmel trägt deinen Namen“-Schmafu vom Q, aber wenn ich’s mir aussuchen kann, dann glaub ich doch lieber seine Version.

Nächste Woche ist Muttertag, nicht, dass Sie’s vergessen und dann heißt’s wieder, ich hätt nix gesagt. Ich erwähne das jetzt deshalb, weil ich heuer ein wirklich tolles Präsent für meine Mama parat hab: Herrn Q, der zugesagt hat, sich vorstellen zu lassen – ich finde, das spricht für ernsthafte Absichten: Ein Mann, der sich freiwillig als Schwiegersohn in spe bei der Schwiegerfamilie in spe vorstellen lässt – sowas ist mutig, sowas ist vielleicht ein bisschen altmodisch, sowas kann in meiner Familie zu einem Selbstmordkommando der anderen Art werden, aber wir hoffen mal das Beste. Ich glaube, dass ich wohl nächsten Dienstag darüber berichten muss – hoffentlich nicht, weil ich seelische Aufarbeitung und Verarbeitung leisten muss – drücken Sie mir bitte die Daumen.

 

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